Evidence-Modell und Korrelation

Das unveränderliche Evidence-Modell mit Qualitätsbewertung und die Korrelation, die verwandte Symptome mit ausgewiesener Konfidenz einer wahrscheinlichen Root Cause zuordnet.

Evidence-Modell

Was Evidence ist

Evidence ist ein strukturierter Nachweis, auf dessen Grundlage das System ein Issue anlegt, aktualisiert oder verifiziert.

Evidence kann sein:

  • automatisch berechnet;
  • vom Gerät empfangen;
  • aus einem Fremdsystem importiert;
  • von einem Benutzer hinzugefügt;
  • von einem Fachbericht erzeugt;
  • als Dokument, Foto oder Kommentar angehängt.

Aufbau von Evidence

Evidence-Typen

TypBeispiel
detector_findingErgebnis eines Detectors
telemetry_sampleTelemetriefragment
archive_windowZusammenfassung eines Archivzeitraums
event_logEreignisprotokoll des Geräts
configuration_snapshotSnapshot der Konfiguration
operator_commentKommentar des Disponenten
field_reportBericht oder Protokoll des Außendienstteams
photoFoto der Anlage
external_ticketLink auf ein externes Ticket
verification_resultBestätigung der Behebung
root_cause_confirmationBestätigung der Root Cause
knowledge_applicationAnwendung eines Artikels aus der Knowledge Base

Evidence-Qualität

Für jedes Evidence wird die Qualität berechnet:

Qevidence=wcC+wfF+wsS+wtTQ_{evidence} = w_c C + w_f F + w_s S + w_t T

wobei:

  • CC — completeness, Vollständigkeit;
  • FF — freshness, Aktualität;
  • SS — consistency, Konsistenz;
  • TT — trust, Vertrauen in die Quelle;
  • wc+wf+ws+wt=1w_c + w_f + w_s + w_t = 1.

Empfohlene Basisgewichte:

KomponenteGewicht
wcw_c — Vollständigkeit0.30
wfw_f — Aktualität0.25
wsw_s — Konsistenz0.25
wtw_t — Vertrauen in die Quelle0.20

Das Ergebnis wird auf den Bereich 0 bis 1 normiert.

Unveränderlichkeit von Evidence

Ursprüngliches Evidence wird niemals nachträglich bearbeitet. Eine Korrektur erzeugt eine neue Version oder ein separates korrigierendes Evidence.

Das gewährleistet:

  • Auditierbarkeit;
  • Reproduzierbarkeit;
  • Schutz der Historie;
  • korrekte Aufarbeitung strittiger Fälle;
  • Möglichkeit zur Neuberechnung.

Ereigniskorrelation und Root Cause

Aufgabe der Korrelation

Die Korrelation verhindert, dass für ein und dieselbe technische Ursache viele voneinander unabhängige Issues entstehen.

Das System analysiert:

  • Übereinstimmung des Assets;
  • zeitliche Nähe;
  • topologische Abhängigkeit;
  • gemeinsame Firmware;
  • gemeinsames Gateway;
  • gemeinsamen Netzbetreiber;
  • gemeinsame Region;
  • gemeinsame Serverwarteschlange;
  • Abfolge der Symptome;
  • historische Zusammenhänge;
  • bestätigte Root Causes zurückliegender Fälle.

Korrelationsebenen

Innerhalb eines Assets

Mehrere Symptome werden um einen führenden Canon herum zusammengefasst.

flowchart TD
  A["stale_communication"] --> C{"Korrelation innerhalb des Assets"}
  B["no_hourly_archive"] --> C
  D["battery_unknown"] --> C
  C --> R["Führendes Issue stale_communication"]
  C --> S1["Sekundäres Signal no_hourly_archive"]
  C --> S2["Sekundäres Signal battery_unknown"]

Über Assets hinweg

Gleichartige Probleme werden zu einem Massive Incident gruppiert.

flowchart TD
  A["38 Geräte"] --> G{"Gruppierung"}
  B["Eine Firmware-Version"] --> G
  C["Ein Zeitfenster"] --> G
  D["Ein Fehlertyp"] --> G
  G --> M["Massive Incident firmware_regression"]

Nach Abhängigkeit

Probleme untergeordneter Geräte werden mit dem Ausfall einer gemeinsam genutzten Komponente verknüpft.

flowchart TD
  A["Gateway-17 nicht erreichbar"] --> B["12 Korrektoren ohne Kommunikation"]
  B --> C["12 Archive nicht zugestellt"]
  C --> D["Ein Abhängigkeits-Incident"]

Bewertung der Verknüpfung (Correlation Score)

Zur Bewertung der Stärke einer Verknüpfung dient ein erklärbares Modell:

Scorr=waA+wtT+wpP+wcC+whHS_{corr} = w_a A + w_t T + w_p P + w_c C + w_h H

wobei:

  • AA — Übereinstimmung von Asset oder Abhängigkeit;
  • TT — zeitliche Nähe;
  • PP — Übereinstimmung des Musters;
  • CC — gemeinsamer Kontext;
  • HH — historische Bestätigung der Verknüpfung.

Beispielhafte Gewichte:

FaktorGewicht
AA — Übereinstimmung von Asset oder Abhängigkeit0.30
TT — zeitliche Nähe0.20
PP — Ähnlichkeit des Musters0.20
CC — gemeinsamer Kontext0.15
HH — historische Bestätigung0.15

Die Schwelle für die Zusammenführung wird je Problemklasse festgelegt. Für kritische Security-Signale ist eine konservativere Schwelle zulässig.

Root-Cause-Klassen

OHM verwendet einen gepflegten Katalog von Root Causes:

KlasseBeispiele
PowerBatterie, Stromversorgung, Wandler
CommunicationNetz, SIM, Signal, Netzbetreiber
FirmwareRegression, Inkompatibilität
Configurationfehlerhafter Parameter
RegistryDublette, Ghost-Objekt, falsche Zuordnung
SensorAusfall, Drift, festhängende Messwerte
Meteringmesstechnisches Problem
InfrastructureServer, Warteschlange, Gateway
IntegrationAPI, Format, Mapping
HumanFehler in einer Handlung oder einem Prozess
EnvironmentTemperatur, Feuchtigkeit, äußere Einwirkung
SecurityIntegritäts- oder Zugriffsverletzung
ExternalFremdsystem oder Lieferant
Unknownunzureichende Daten

Root-Cause-Status

StatusBedeutung
hypothesisautomatisch vorgeschlagene Hypothese
under_investigationdie Hypothese wird geprüft
probabledurch mehrere unabhängige Indizien bestätigt
confirmeddurch einen berechtigten Benutzer und Evidence belegt
rejecteddie Hypothese wurde verworfen
unknowndie Root Cause wurde nicht ermittelt

Konfidenz der Root Cause

Die Konfidenz einer Hypothese wird aus der Gesamtheit der Nachweise berechnet:

Croot=i=1nriqiaii=1nriKindependenceC_{root} = \frac{ \sum_{i=1}^{n} r_i q_i a_i }{ \sum_{i=1}^{n} r_i } \cdot K_{independence}

wobei:

  • rir_i — Zuverlässigkeit des Detectors oder der Quelle;
  • qiq_i — Evidence-Qualität;
  • aia_i — Übereinstimmung des Evidence mit der Hypothese;
  • KindependenceK_{independence} — Koeffizient der Quellenunabhängigkeit.

Stammen mehrere Evidence aus demselben Ausgangsdatenbestand, gelten sie nicht als vollständig unabhängig.

Operative Konfidenz (Operational Confidence)

Operational Confidence gibt an, wie sicher das System ist, dass ein Issue ein reales und korrekt klassifiziertes Problem darstellt.

Cissue=wdD+weE+wrR+whHwxXC_{issue} = w_d D + w_e E + w_r R + w_h H - w_x X

wobei:

  • DD — Zuverlässigkeit der Detectors;
  • EE — Evidence-Qualität;
  • RR — Konsistenz der Korrelation;
  • HH — historische Bestätigungsquote;
  • XX — Abschlag für Widersprüche und fehlende Daten.

Interpretation:

KonfidenzStufeAktion
≥ 0.85hochautomatische Erstellung eines actionable Issue
0.65–0.85ausreichendErstellung eines Issue mit regulärer Triage
0.40–0.65eingeschränktPrüfung erforderlich
< 0.40niedriganalytisches Signal, automatische Aktionen unzulässig

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